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Aufgedeckt: Wie Stress an den Haaren zerrt

Frankfurt am Main, 07.02.2008

LÜBECK (MedCon) – Eine wichtige Ursache für die Entstehung von Haarausfall ist Stress, der über einen längeren Zeitraum anhält. Forschern am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck ist es jetzt gelungen, einen Einblick zu gewinnen, wie Stress zum Ausfall der Haare führt.

Aus Versuchen an Mäusen ist bekannt, dass für den Stopp des Haarwachstums ein bestimmter Stoff eine wichtige Rolle spielt: die Substanz P. Dabei handelt es sich um ein aus nur elf Aminosäuren bestehendes Neuropeptid (ein von Nervenzellen produziertes kleines Protein). Substanz P wird vermehrt gebildet, wenn eine Entzündungsreaktion abläuft.

Substanz P stoppt das Haarwachstum

Unklar war jedoch, ob Substanz P auch am menschlichen Haarausfall beteiligt ist. Dem ging nun die Lübecker Arbeitsgruppe Haarforschung unter Leitung von Prof. Ralf Paus nach. Sie testeten die Wirkung von Substanz P an Zellkulturen, die sie in der Petrischale aus menschlichen Haarfollikeln (Haarbalg) gezüchtet hatten.

Tatsächlich zeigten die Haarfollikel eine Reaktion auf die Zugabe von Substanz P, berichten die Forscher im American Journal of Pathology. Sie traten vorzeitig in die so genannte katagene Phase ein. Dies ist die Phase im Haarzyklus, in der das Haar aufhört zu wachsen, bevor es dann endgültig ausfällt.

Haarfollikel verlieren ihr Privileg

Außerdem begannen Immunzellen im Haarfollikel, die Mastzellen, Histamin auszuschütten. Der Botenstoff Histamin löst in den umgebenden Zellen eine heftige allergische Reaktion aus, das Gewebe entzündet sich.

Letztlich störte die Substanz P das so genannte Immunprivileg der Haarfollikel massiv. „Immunprivileg“ bedeutet, dass in den Haarfollikeln von Natur aus phasenweise die Immunabwehr unterdrückt ist. Dies dient zum Beispiel dazu, bestimmte Proteine ins Haar einlagern zu können, die der Färbung dienen, aber normalerweise im Körper nicht vorkommen. Wird das Immunprivileg ausgeschaltet, kommt es zur Selbstzerstörung und Entzündung des Follikels samt seines Haars.

Die Autoren schlussfolgern: „Menschliche Haarfollikel sind empfindlich für stressvermittelnde Schlüsselfaktoren in der Haut. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen Daten erlauben es, eine biologische Erklärung dafür zu skizzieren, wie Stress zum Ausfall von Haaren führt.“

Quelle: Erstellt von Medcon aus Am J Pathol. 2007 Dec;171(6):1872-86