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Genforschung - Das Glatzen-Gen

Forscher kreisen für Haarausfall verantwortliche Erbgutregionen ein

Frankfurt am Main, 22.02.2008

Deutsche Wissenschaftler haben einen Fahndungserfolg bei der Suche nach den Genen zu vermelden, die den leidigen Haarausfall bei Männern verursachen: Sie konnten insgesamt 14 Erbgutregionen identifizieren, in denen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Erbanlagen für Wachstum und Verlust von Haaren befinden. Besonders aussichtsreich erscheint dabei ein Abschnitt auf Chromosom 3, der insgesamt 34 Gene enthält. Im nächsten Schritt sollen diese Erbanlagen nun genauer unter die Lupe genommen werden, berichtet das Team um Axel Hillmer von der Universität Bonn.

Im ersten Schritt untersuchten die Forscher die Erbanlagen von 95 Familien, bei denen mindestens zwei Söhne unter frühzeitigen Haarausfall litten. Heraus kam ein Satz von 14 Bereichen, bei denen eine Beteiligung am Verlust des Haupthaars wahrscheinlich schien. Von diesen 14 Abschnitten erwiesen sich in einem zweiten Schritt, in dem zusätzlich die Daten 30 weiterer Familien ausgewertet wurden, vier als besonders vielversprechend. Nach einer verfeinerten Analyse aller Daten schließlich blieben die 34 Gene auf Chromosom 3 über, auf die sich die Forscher nun konzentrieren wollen.

"Keines dieser Gene wird bislang mit der Biologie des Haares in Verbindung gebracht", erklärt Mitautor Roland Kruse von der Universität Düsseldorf. Allerdings gebe es ein Gen, das mit dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht wird, sowie eines, das als Risikofaktor für Übergewicht gilt. Da Männer mit Haarausfall überdurchschnittlich häufig zu Fetteinlagerungen neigen, könnte dieses Gen ein aussichtsreicher Kandidat sein, so der Wissenschaftler. Es gehört zu den Erbanlagen, die im nächsten Schritt genauer untersucht werden soll. Findet sich dabei eine Variante, die bei kahlköpfigen Männern ungewöhnlich oft vorkommt, könnte sie tatsächlich ursächlich für den Haarausfall verantwortlich sein.

Zu verstehen, warum bei mehr als 80 Prozent aller Männer im Alter die Haare ausfallen, ist nicht nur von kosmetischem Interesse, betonen die Forscher. Neben dem erhöhten Risiko für Übergewicht gibt es auch Hinweise auf eine Verbindung von Haarausfall mit eine höheren Wahrscheinlichkeit für koronare Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Prostataproblemen und Diabetes. Die für den Haarausfall verantwortlichen Erbanlagen spielen demnach möglicherweise auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Volkskrankheiten.

Die Studie habe ein weiteres Mal bestätigt, dass Haarausfall nicht auf ein einzelnes Gen zurückgeführt werden kann, sondern durch ein Zusammenspiel vieler Erbanlagen entsteht, so die Forscher. Eine davon war bereits in der Vergangenheit entdeckt worden: Sie liegt auf dem weiblichen X-Chromosom und wird daher immer von der Mutter vererbt.

Axel Hillmer (Universität Bonn) et al.: American Journal of Human Genetics (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.ajhg.2007.11.014)

Quelle: www.wissenschaft.de - 22.02.2008