Fragen an Prof. Dr. Volker Steinkraus im Rahmen seines Online-Vortrags am 18.September auf www.haar-ausfall.com

Eine Dame - sie hat bereits große kahle Stellen am Kopf und außerdem eine juckende Kopfhaut - fragt, ob Medikamente gegen Bluthochdruck und gegen Schilddrüsenerkrankungen Haarausfall hervorrufen können?

Ein eindeutiges Ja. Zahlreiche Medikamentekönnen Haarausfall verursachen. Gelegentlich hilft es, das Medikament zu wechseln. Ob nun ein Arzneimittel alleine oder als Co-Faktor am Haarausfall beteiligt ist, muss in jedem Fall abgeklärt werden.

Können Cortison-Spritzen Haarausfall verursachen?

Cortison-Spritzen verursachen in aller Regel keinen Haarausfall - ganz im Gegenteil, unter Cortison kommt es häufig zu einer Zunahme des Haarwachstums. Deshalb werden einige Kopfhauterkrankungen auch speziell mit Cortison behandelt. Bei bestimmten Formen des Haarausfalls, z. B. beim kreisrunden Haarausfall, wird Cortison als Therapie eingesetzt.

Bei der folgenden Frage geht es um dieses Problem: Die Haare wachsen zwar nach, brechen aber sehr schnell wieder ab. Ist das Haarausfall oder ein anderes Problem?

Ein Bruch des Haarschafts kann mechanisch durch falsche Pflege bedingt sein. Besonders der nasse Haarschaft ist extrem verletzbar. Frisch gewaschenes Haar sollte man daher mit einem Kamm mit weit auseinander stehenden Zinken kämmen und dabei ganz vorsichtig an den Enden anfangen. Zum Trocknen ist es gut, wenn man die nassen Haare erst einmal in ein Handtuch einwickelt. Man darf das Haar nicht zu heiß föhnen, am besten nur mit der mittleren Stufe des Föhns. Ansonsten ist der Haarverlust möglicherweise auch bedingt durch eine sehr kurze Wachstums-phase. Meist ist aber das, was oberhalb der Kopfhaut mit dem Haar passiert, ein rein mechanisches Problem und hat mit der Produktion des Haares in der Tiefe im Follikelbereich nichts zu tun.

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Eine Zuhörerin mit Haarausfall sagt, bei einer Untersuchung hätte man starke Schuppen festgestellt. Wie könnte in diesem Fall eine Behandlung des Haarausfalls aussehen?

Wenn die Patientin Schuppen auf der Kopfhaut hat, dann ist dies möglicherweise eine Ursache für den Haarausfall, weil starke Schuppenbildung - das müssen Sie sich so vorstellen, wie wenn Eisschollen auf einem See am Rand die kleinen frischen Schilfhalme kaputt machen – zu Haarausfall führen kann. Das weiß man auch von der Schuppenflechte und von sogenannten seborrhoischen Kopfhautekzemen. Also diese Patientin sollte sich in die Sprechstunde eines Haarspezialisten (Dermatologen) begeben, der die medikamentöse Behandlung der Schuppenerkrankung durchführt.

Wieder ein Fall einer Schilddrüsenunterfunktion und eines gleichzeitigen Eisenspeichermangels. Auch nach erfolgter Therapie dieser Erkrankungen fallen die Kopfhaare an unterschiedlichen Stellen aus bzw. werden am ganzen Kopf weniger. Zudem nimmt auch die Körperbehaarung ab. Was kann die Ursache sein, und ist die Einnahme von Haarpräparaten wie Pantovigar sinnvoll?

Viele Patienten erwarten nach Beseitigung der Ursache des Haarausfalls, dass nach kurzer Zeit alle Haare wieder so wachsen wie vor der Erkrankung. Hier muss gesagt werden, dass der Haarfollikel, der diesen Haarschaft produziert, 3-6 Monate braucht, um sich voll zu erholen. Wenn die Patientin darüber hinaus noch sagt, dass allgemein die Körperbehaarung dünner wird und nachlässt, dann muss man auch erwähnen, dass sich bei allen Menschen im Laufe ihres Lebens das Haar natürlich auch ändert. Man hat nicht mit 40, 50, 60 oder 70 die gleich dicken Haare wie im Alter von 20 oder 30 Jahren. Die Haut und auch die Anhangsgebilde der Haut – nämlich Haare und Nägel – unterliegen im Laufe des Lebens einer ganz normalen Veränderung und man darf die Messlatte nicht zu hoch legen.

Es gibt, wie die Patientin erwähnt, Aufbaupräparate, die man für mehrere Monate nehmen kann, um zu beobachten, ob sich darunter das Haarwachstum bessert. Zusätzlich muss man natürlich auf eine ausgewogene Ernährung achten und darf nicht nur Kapseln schlucken.

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Eine Patientin hat wegen eines Östrogenmangels ein Östrogenpräparat verschrieben bekommen, das sie einen Monat lang eingenommen hat. Der Haarausfall hat offensichtlich nachgelassen. Jetzt, nach 4 Monaten, geht es wieder los. Sie fragt, ob man auf Dauer so ein Medikament einnehmen sollte?

Da eine Östrogentherapie nicht nur positive Dinge für die Haut und für die Haare bewirken kann, sondern aus gynäkologischer Sicht auch Risiken birgt, halte ich es für wichtig, dass eine Östrogentherapie von einem Gynäkologen in jedem Fall begleitet oder eingeleitet wird. Da kann der Hautarzt nur zur Seite stehen, um mit seinen Möglichkeiten auch Therapieempfehlungen zu geben. Unter einer Östrogeneinnahme verbessert sich das Haarwachstum. Da Östrogen vor Haarausfall schützt, tritt bei vielen Frauen der Haarausfall erst zu Beginn der Menopause, wenn die Östrogene abfallen, verstärkt auf.

Das steht im Zusammenhang mit der Beobachtung, dass während einer Schwangerschaft unter dem Einfluss der Östrogene die Haare in aller Regel voller sind als zuvor.

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Eine Patientin hat seit fünf Jahren Haarausfall. Seit diesem Zeitpunkt wohnt sie in einer feuchten Wohnung mit Schimmel- und Stockflecken. Ist möglicherweise diese Umgebung Ursache ihres Haarausfalls?

Nein, es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Haarausfall mit der Wohnungsumgebung zusammenhängt. Ein Schimmelpilzbefall der Wohnung, d.h. ein Aufenthalt in feuchten Räumlichkeiten, kann zahlreiche Probleme verursachen - angefangen von Atemwegsproblemen hin bis zu allergischen Erscheinungen. Haarausfall können Schimmelpilze nicht hervorrufen.

Nach einer Chemotherapie vor 6 Monaten wachsen die Haare zwar nach, sind aber sehr dünn. Was kann man tun?

Nach einer Chemotherapie wachsen Haare zunächst nicht in voller Stärke, denn der Organismus – und insbesondere die empfindlichen Haarfollikel müssen sich von einer solchen Therapie erholen. Dass 6 Monate nach einer Chemotherapie das Haarkleid noch nicht in voller Dichte wieder vorhanden ist, ist normal. Dennoch ist auch dieser Patientin zu empfehlen, die bereits im Vortrag erwähnten Aufbaupräparate einzunehmen und sich darüber hinaus besonders gut zu ernähren, weil das Haar eine Struktur ist, die sehr viel Nährstoffe, Aminosäuren und Proteine braucht, um gut und schnell zu wachsen.

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Kann ein Folsäuremangel zu Haarausfall führen?

Indirekt schon. Folsäuremangel ist zwar kein Renner bei den Ursachen für Haarausfall, dennoch müssen natürlich die Folsäurewerte im Normbereich liegen, weil auch Folsäure eine Substanz ist, die bei Stoffwechselleistungen eine zentrale Rolle spielt, insbesondere bei der Blutbildung.

Können Antibiotika zu Haarausfall führen?

Eine Antibiotika-Therapie ist in aller Regel nur kurz - 1, 2 oder max. 3 Wochen. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine solche kurze Antibiotika-Einnahme Haarausfall bewirkt. Dennoch kann natürlich die Grunderkrankung, weshalb das Antibiotikum eingenommen wurde, den Haarausfall verursachen

Wie lange dauert ein Haarausfall erfahrungsgemäß nach dem Absetzen der "Antibabypille"?

Ein Haarausfall muss sich gar nicht einstellen. Es gibt viele Patientinnen, die eine Antibabypille absetzen und überhaupt keine Störung im Haarwachstum bemerken. Dennoch können sowohl der Beginn einer Antibabypillen-Einnahme als auch das Absetzen - also alle hormonellen Umstellungen - Haarausfall verursachen. Dann dauert es gewöhnlich 3-6 Monate, bis sich der Haarwachstumszyklus reguliert.

Eine 55-jährige Zuhörerin hat seit 20 Jahren einen diffusen, möglicherweise auch erblich bedingten Haarausfall. Es sind mittlerweile nur noch maximal ein Viertel der ursprünglichen Haare vorhanden, die unbedingt erhalten werden sollen. Eine Untersuchung vor 15 Jahren ergab kein besonderes Ergebnis. Wie kann ein weiterer Haarausfall vermieden werden?

Die Patientin sollte sich in fachärztliche Behandlung begeben, um einen aktuellen Befund zu erhalten. Um den Haarausfall besser diagnostizieren zu können, sollten verschiedene Diagnosemethoden, also Trichogramm, Haarschaftuntersuchung, Kopfhautbiopsie, Lokalbefund zur Anamnese herangezogen werden. Erst dann ist die Differentialdiagnose möglich zwischen einem diffusen, symptomatischen oder einem erblich bedingten, androgenetischen Haarausfall. Erst wenn die Diagnose gestellt ist, kann auch eine zielgerichtete Therapie eingeleitet werden.

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Jetzt haben wir eine 20-jährige Patientin, die einmal im Jahr einen diffusen Haarausfall über mehrere Wochen hat, wobei die Kopfhaut juckt. Anschließend hört der Juckreiz auf und die Haare wachsen wieder nach. Die Schilddrüsen-funktion ist normal und auch andere Faktoren, wie eine Mangelernährung, sind nicht vorhanden. Die "Pille" wurde umgestellt. Haben Sie eine Idee?

Ja, dieses Phänomen ist gut bekannt. Einige, wenige Menschen leiden zyklisch unter Haarausfall, auch wenn die Haare asynchron wachsen, also jedes Haar seinem eigenen Zeitzyklus folgt. Aber wir wissen auch, dass Haare in ganz bestimmten Jahreszeiten besser wachsen als in anderen und es kann sein, dass diese Patientin besonders sensibel auf solche zyklischen Einflüsse von außen reagiert, z.B. auf die Lichtverhältnisse, vielleicht auch auf eine besondere psychische Stabilität in den Sommermonaten und Stress in langen, dunklen Wintermonaten. Das ist nicht genau zu sagen. Dieser zyklische Haarausfall ist für die Betroffenen natürlich sehr lästig, wenn man jedoch weiß, dass alle Haare in kurzer Zeit wieder da sind, ist dies nicht so bedrohlich wie die anderen Formen des Haarausfalls, die wir besprochen haben.

Eine Patientin leidet seit 2 Jahren unter Haarausfall, der nur nach der Haarwäsche auftritt. Halten Sie ein Trichogramm für unbedingt erforderlich oder auch eine Laboruntersuchung der Haare?

Laboruntersuchungen der Haare bringen meistens wenig. Wichtig ist die Frage, ob die Patientin einen regelmäßigen Zyklus hat und ob der Hormonstatus in Ordnung ist. Hormone haben einen Einfluss auf den Stoffwechsel des Haares.

Haare definieren kann bezüglich ihrer Zyklusphase. Normalerweise erwartet man in einem Trichogramm in der gesunden Kopfhaut 85-90 % der Haare in der Wachstumsphase und 10-15 % in der Ruhephase. Und wenn Sie nun einen Befund haben mit sehr vielen Haaren in der Ruhephase, dann wissen Sie, dass irgendwann in der Wachstumsphase eine Störung aufgetreten ist.

Wichtig für die Diagnose sind die Anamnese und der Lokalbefund, die Familiengeschichte und vor allem die Krankengeschichte der vorausgegangenen Monate. Damit kann man sicher 90 % aller Formen des Haarausfalls relativ einfach diagnostizieren.

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Ist also nicht immer eine sehr umfangreiche Diagnostik wirklich erforderlich?

Wie bei so vielen Dingen im Leben ist hier auch der gesunde Menschenverstand häufig ganz wichtig. Zum Beispiel indem man sich einfach mal die Kopfhaut anguckt und ein paar Fragen zur Krankengeschichte stellt.

Eine Frage zum Thema Augenbrauen. Wenn der Haarausfall von der Mitte der Augenbrauen nach außen beginnt, ist das mit dem Haarausfall auf dem Kopf vergleichbar?

Das ist nicht unbedingt vergleichbar. Allerdings muss man sich bei den Augenbrauen ähnliche Fragen stellen wie beim Haarausfall auf dem Kopf: Was ist das für ein Haarausfall, liegt möglicherweise ein kreisrunder Haarausfall (eine Alopecia areata) zugrunde? Dennoch gibt es bei den Augenbrauen auch ganz andere Erkrankungen, z.B. kann im Rahmen einer Neurodermitis eine Lichtung der Augenbrauen - insbesondere in den seitlichen Arealen – auftreten. Man müsste also die Patientin sehen, um eine Diagnose zu stellen und eine Therapie einleiten zu können.

Eine Patientin hat relativ viele kahle Stellen am Kopf, die von einer Pilzerkrankung herrühren. Die Pilzerkrankung ist behandelt. Der Haarausfall wurde gestoppt und die Haare kommen nun wieder. Jetzt ist natürlich noch die Angst da, der Pilz könnte wieder kommen. Was würden Sie empfehlen?

Wenn die Haare wiederkommen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der Pilz zur Zeit vorhanden ist. Von allen Formen des Haarausfalls kann der durch Pilzbefall hervorgerufene am besten behandelt werden, und zwar mit Antipilzmitteln, die wir heutzutage zur Verfügung haben.

Die Mutter der nächsten Anruferin hat keine Haare mehr. Sie selbst ist 49 Jahre alt und hat noch sehr dickes Haar. Muss sie jetzt damit rechnen, dass es bei ihr in den nächsten Jahren auch zum kompletten Haarausfall kommt?

Nein, die Frage wird uns natürlich häufig gestellt. Das kann ich ganz klar verneinen. Aber um die Frage inhaltlich wirklich hundertprozentig korrekt zu beurteilen, müsste man die Mutter sehen, die Form des Haarausfalls bei der Mutter diagnostizieren und dann möglicherweise die Tochter untersuchen. Zunächst würde ich ihr die Sorge nehmen, sie jedoch bitten, bei den ersten Zeichen von Haarausfall wieder zu kommen, so dass gleich mit einer Behandlung angefangen werden kann, um das Problem gleich im Keim zu ersticken.

Der Bartwuchs eines Fragenden ist vollkommen unbeeinträchtigt, am restlichen Körper fallen jedoch die Haare aus, Kopf- auch Beinbehaarung etc...

Das ist ein Phänomen, das Wissenschaftler und Haar-Biologen immer noch nicht verstehen, warum dasselbe Hormon - nämlich Testosteron - im Gesicht die Haare zum Wachsen bringt, also den Bartwuchs fördert, aber 15 cm weiter oben an der Stirn-Haar-Grenze Geheimratsecken verursacht. Wahrscheinlich beruht es auf der unterschiedlichen Verteilung von Andockstellen für Hormone, denn ein Hormon wirkt ja nur über eine Andockstelle. Wenn die Andockstellen sehr unterschiedlich am Körper verteilt sind, dann haben sie möglicherweise diese unterschiedlichen Effekte, die Sie beobachten.