Vernarbende Alopezie: Wenn Haarausfall zu Narbenbildung führt
Erfahren Sie mehr über vernarbenden Haarausfall und seine Auswirkungen auf die Kopfhaut. In diesem Beitrag erklären wir, wie vernar... | mehr
Haarmagazin
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift fälschlicherweise die Haarwurzeln an und stört so das normale Haarwachstum.2,4,5 Alopecia areata ist nicht ansteckend, es besteht keine Gefahr, die Erkrankung auf andere zu übertragen. Warum diese Fehlsteuerung des Immunsystems entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt.2,4,5
Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand spielen sowohl eine erbliche Veranlagung als auch bestimmte Abläufe im Immunsystem eine Rolle in der Krankheitsentwicklung.2 So tritt Alopecia areata in etwa 6-8 % der Fälle familiär gehäuft auf.2 Insgesamt sind weltweit schätzungsweise ca. 2 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen, Frauen und Männer gleichermaßen und grundsätzlich in jedem Alter.2
Wichtig zu wissen: Kreisrunder Haarausfall ist keine Folge von Stress, falscher Ernährung oder psychischer Schwäche. Belastende Lebensereignisse können den Verlauf beeinflussen, gelten aber nicht als Ursache der Erkrankung.
Kreisrunder Haarausfall äußert sich häufig durch klar begrenzte kahle Stellen auf der Kopfhaut oder im Bereich der Gesichtsbehaarung, die meist eine runde oder ovale Formen annehmen.1,7 Diese kahlen Stellen können einzeln oder mehrfach auftreten und zu teilweisem oder vollständigem Haarausfall führen.1,7
Je nach Ausmaß des Haarverlusts unterscheiden Fachleute drei Hauptformen der Alopecia areata:
1. Alopecia areata
2. Alopecia totalis
3. Alopecia universalis
Während Alopecia areata den Großteil der Fälle ausmacht,4,10 sind die schweren Formen Alopecia totalis und universalis deutlich seltener und betreffen zusammen etwa 9 % der Erkrankten.10 Studien zeigen zudem, dass ein Krankheitsbeginn im Kindesalter, insbesondere bei ausgeprägtem Haarverlust, mit einer ungünstigeren Prognose verbunden sein kann.9,11
Kreisrunder Haarausfall ist eine nicht vernarbende Erkrankung. Die Haarfollikel bleiben erhalten, sodass das Haarwachstum grundsätzlich wieder einsetzen kann, wobei der Verlauf individuell unterschiedlich ist. So können Haare wieder wachsen, wenn die Autoimmunreaktion spontan abklingt oder durch eine Therapie kontrolliert wird.
Kreisrunder Haarausfall kann für Betroffene eine erhebliche psychische Belastung darstellen – eine Tatsache, die im medizinischen Alltag lange unterschätzt wurde.5,12 Während die körperlichen Auswirkungen sichtbar sind, bleiben die psychologischen, sozialen und emotionalen Folgen häufig im Verborgenen.12
Der plötzliche Verlust von Haaren, insbesondere im sichtbaren Bereich des Kopfes oder des Gesichts, kann zu Unsicherheit, vermindertem Selbstwertgefühl und sozialem Rückzug führen.12
Haar ist weit mehr als ein ästhetisches Merkmal. Kulturübergreifend wird es mit Identität, Jugendlichkeit, Gesundheit und Vitalität verbunden.13 Der Verlust von Haaren betrifft daher nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch das innere Erleben – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft.13
Viele Betroffene berichten über Schamgefühle und das Gefühl, im Alltag stigmatisiert zu werden. Diese emotionale Belastung ist real und medizinisch relevant.12
Bei Männern spielt insbesondere der Verlust der Gesichtsbehaarung eine zentrale Rolle für das Selbstbild. Der Bart gilt in vielen Kulturen als Symbol für Männlichkeit, Reife, Individualität und Attraktivität.7 Studien zeigen, dass männliche Gesichtsbehaarung die wahrgenommene Attraktivität signifikant beeinflusst und mit erhöhter langfristiger Anziehungskraft assoziiert ist.7 Kreisrunder Haarausfall kann daher das Gefühl von Männlichkeit und das Selbstvertrauen massiv beeinträchtigen.7
Bei Frauen wird Haarverlust oft als besonders belastend erlebt, da volles Haar gesellschaftlich stark mit Weiblichkeit, Persönlichkeit und Attraktivität verknüpft ist.14 Der Verlust kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Selbstbild haben.
Studien mit Brustkrebspatientinnen haben gezeigt, dass der Haarverlust teilweise als traumatischer empfunden wurde als der Verlust einer Brust – ein Befund, der die tiefe emotionale Bedeutung von Haaren für Frauen unterstreicht.14
Die psychische Belastung spiegelt sich auch in einer erhöhten Häufigkeit psychiatrischer Begleiterkrankungen wider. Bevölkerungsbasierte Studien zeigen, dass Menschen mit Alopecia areata häufiger an Depressionen und Angststörungen leiden als die Allgemeinbevölkerung.13
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche:5
Ein früher Erkrankungsbeginn – insbesondere vor dem 20. Lebensjahr – ist mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbunden.5
Psychische Belastungen sind weder eine Einbildung noch Ursache der Erkrankung, sondern eine anerkannte Folge der Autoimmunerkrankung Alopecia areata. Es ist wichtig, dass Betroffene Unterstützung erhalten. Professionelle psychologische Unterstützung kann dabei helfen, positive Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um mit den emotionalen Herausforderungen besser umzugehen.15
Für Kinder und Jugendliche kann Alopecia areata den Alltag erheblich beeinflussen – etwa in der Schule, im Freundeskreis oder in der Persönlichkeitsentwicklung.15 Umso wichtiger ist die Rolle der Eltern.16
Wie Eltern mit der Diagnose umgehen, prägt maßgeblich, wie das Kind die Erkrankung erlebt. Kinder nehmen Ängste, Scham oder Unsicherheit sehr genau wahr und beziehen diese häufig auf sich selbst. So können sie den Eindruck entwickeln, dass etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist.16
Viele Eltern fühlen sich hilflos oder schuldig. Diese Gefühle sind verständlich, können sich jedoch auf das Wohlbefinden des Kindes auswirken.17 Es ist wichtig, zu verinnerlichen: Kreisrunder Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung und keine Folge von Erziehungsfehlern, falscher Ernährung oder familiärem Stress.17
Eine offene, unterstützende Atmosphäre, ehrliche Gespräche und ein einfühlsamer Umgang mit Fragen und Sorgen geben Kindern Sicherheit und reduzieren Ängste.17
Dabei ist es völlig in Ordnung, als Elternteil traurig, wütend oder unsicher zu sein. In solchen Momenten ist es wichtig, dass sich Eltern selbst Unterstützung holen, zum Beispiel durch den Austausch mit anderen betroffenen Eltern, damit sie vor ihrem Kind stark und zuversichtlich auftreten können.16,18
Wenn bei Ihnen kreisrunder Haarausfall diagnostiziert wurde, lohnt sich ein Blick auf die Schilddrüse – denn Alopecia areata und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen treten häufig gemeinsam auf.
Die Zahlen sind beeindruckend: Bei etwa der Hälfte aller Patient:innen mit kreisrundem Haarausfall (48 %) finden sich autoimmunbedingte Schilddrüsenfunktionsstörungen. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung treten solche Störungen nur in 0,3 bis 11,3 % auf.19
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob eine Schilddrüsenuntersuchung sinnvoll ist. Eine eine einfache Blutuntersuchung kann helfen, eine mögliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zu erkennen und frühzeitig zu behandeln.19
Kreisrunder Haarausfall sollte nicht mit dem erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezia) verwechselt werden. Beide Formen unterscheiden sich grundlegend in ihren Ursachen und dem Verlauf:
Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Form des Haarausfalls bei Männern und entsteht durch eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln auf Dihydrotestosteron (DHT), ein Spaltprodukt des körpereigenen Hormons Testosteron. Diese Form des Haarausfalls kann jedoch auch bei Frauen auftreten, häufig mit einem anderen Muster.20
Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Haarwurzeln angreift und das normale Haarwachstum unterbricht. Typisch sind scharf abgegrenzte, runde kahle Stellen, die vor allem auf der Kopfhaut und im Bartbereich auftreten können.
Es handelt sich nicht um einen Mangel an Vitaminen oder Nährstoffen, sondern um eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Das Immunsystem greift fälschlicherweise die Haarwurzeln an, was zu Haarausfall führt. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung, die das normale Haarwachstum beeinträchtigt.
Nein. Kreisrunder Haarausfall ist nicht psychisch bedingt. Die Erkrankung ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarwurzeln angreift. Psychische Belastungen wie Scham oder Unsicherheit entstehen jedoch oft als Folge der Erkrankung, nicht als deren Ursache.
Haarwachstum ist grundsätzlich möglich, der Verlauf ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. In vielen Fällen wachsen die Haare nach, allerdings kann der Haarausfall auch wiederkehren oder sich in schwereren Formen manifestieren, wie bei Alopecia totalis oder universalis.
Erste Anlaufstelle ist eine Hautärztin oder ein Hautarzt (Dermatologie). Falls notwendig, können auch Spezialistinnen und Spezialisten für Autoimmunerkrankungen hinzugezogen werden.
Service
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