Frage des Monats

Juli 2017

Frage

Löst jede Chemotherapie Haarausfall aus?

Antwort

Bei einer Chemotherapie werden im Rahmen einer Tumorbehandlung chemische Substanzen verabreicht, die zumeist zellteilungshemmend wirken, da es sich bei Krebszellen um schnell teilende Zellen handelt. Da auch die Haarwurzelzellen für ihre Arbeit am Haar eine sehr schnelle Zellteilung aufweisen müssen, sind sie oft mitbetroffen. Mittlerweile gibt es jedoch sehr viele unterschiedliche Chemotherapeutika und diese Problematik tritt nicht bei allen Medikamenten gleichermaßen auf. Der behandelnde Onkologe wird der Patientin / dem Patienten bereits vorab mitteilen können, ob die gewählte Therapie oft mit Haarausfall verbunden ist. Wichtig ist der individuelle Umgang mit diesem Phänomen. Manch einer entscheidet sich bewusst, die Haarlosigkeit zu tolerieren, manche Frau nimmt es zum Anlass, mit einer Perücke Abwechslung in ihr "Styling" zu bringen. Falls ein Haarersatz gewünscht wird, empfiehlt es sich, frühzeitig etwas anfertigen zu lassen, um den Übergang möglichst schleichend zu gestalten. Die Krankenversicherer beteiligen sich in unterschiedlicher Höhe an den Kosten. Versuche, dem Haarverlust durch besondere Pflege oder Nahrungsmittelergänzungsstoffen entgegenzuwirken, sind vermutlich nicht sehr erfolgversprechend. Am interessantesten ist noch der Ansatz, die Kopfhaut während der Chemotherapie zu kühlen. Die Datenlage zu dieser Therapie ist jedoch noch nicht sehr aussagekräftig und Kosten für die Behandlung sind üblicherweise vom Patienten selbst zu tragen. Die Kältehaube könnte zudem nicht bei den Tumorarten eingesetzt werden, bei denen eine chemotherapeutische Wirkung an der Kopfhaut notwendig wäre, z. B. bei Lymphomen, Melanomen oder bei Leukämie.

Nach dem Ende der Chemotherapie kommt es normalerweise wieder zum Nachwachsen der Haare. Oft wird berichtet, dass die Haare zumindest am Anfang welliger als vorher nachwachsen, sich der Farbton verändert oder sich manchmal sogar die Haardichte verbessert. In der Erholungsphase, die üblicherweise einige Wochen nach dem Ende der Chemotherapie beginnt, können Haaraufbaupräparate mit Aminosäuren, Vitaminen und Cystin, wie z.B. Pantovigar®, unterstützend wirken.

Dr. Uwe Schwichtenberg

Zurück zur Übersicht