Frage des Monats

März 2017

Frage

Kann ich vorhersehen, wie sich anlagebedingter Haarausfall weiterentwickeln wird?

Antwort

Da anlagebedingter Haarausfall bei Frauen im Vergleich zu Männern normalerweise später einsetzt und schwächer ausgeprägt ist, stellt sich die Frage meistens für junge Männer.

Der anlagebedingte Haarausfall ist ein vorprogrammiertes Geschehen. Sein Ablauf ist genetisch festgelegt. Die dazugehörigen genetischen Informationen stammen von beiden Elternteilen. Neuere Arbeiten zeigen, dass vermutlich der mütterliche Anteil etwas bedeutsamer ist als der Väterliche. Wenn jungen Männern also empfohlen wird, den weiteren Verlauf anhand des Haarbefundes ihres Vaters abzuschätzen, ist dies noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Man muss auch auf den Großvater mütterlicherseits schauen. Doch wirklich sichere Voraussagen sind auch damit nicht möglich. Nicht alle genetischen Informationen werden in jeder Generation ausgeprägt. Der Volksmund spricht davon, dass eine Generation übersprungen werde. Ein Individuum entsteht durch die Vermischung von Erbgut. Hierbei sind auch unerwartete Kombinationen möglich, die einen Haarausfallsbefund erzeugen, der so in der Familie noch nicht aufgetreten ist. Der Blick in die familiäre Vergangenheit kann daher leider nur einen groben Anhalt bieten.

Der Blick in die eigene Vergangenheit kann ein weiteres Mosaiksteinchen an Informationen liefern. Anlagebedingter Haarausfall verläuft in den seltensten Fällen schubweise, meistens schreitet er langsam fort. Man kann daher vorsichtig aus den vergangenen Jahren auf die kommenden Jahre rückschließen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Ausfall oftmals in einem bestimmten Stadium zum Stillstand kommt.

Mit einem Phototrichogramm (Trichoscan®) kann die Haarfollikeldichte pro cm² bestimmt werden. Durch zwei Untersuchungen im Abstand von drei bis sechs Monaten kann der eigene Eindruck über die aktuelle "Haarverlustrate" objektiviert werden.

Dr. Uwe Schwichtenberg

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