Frage des Monats

Oktober 2014

Frage

Bei mir soll ein Trichogramm durchgeführt werden. Was ist das und muss das unbedingt sein?

Antwort

Das Trichogramm ist die mikroskopische Untersuchung der Haarwurzel. Es handelt sich um den Goldstandard, wenn es um die Beurteilung der Wachstumsbedingungen an der Haarwurzel geht. Für eine bessere Reproduzierbarkeit wird heutzutage vorzugsweise ein Phototrichogramm durchgeführt, bei dem keine Haare ausgezupft, sondern rasiert werden. Deshalb erfreut sich das Phototrichogramm immer größerer Beliebtheit in der täglichen Praxis. Aber auch weil beim klassischen Trichogramm ein Intervall von fünf Tagen ohne Haarwäsche erforderlich ist. In dieser Zeit sind auch keine anderen mechanisch einwirkenden Haarpflegemaßnahmen erlaubt. Schon diese Hürde ist für viele Patientinnen/Patienten nahezu unüberwindbar. Am Tag der Untersuchung werden an zwei Stellen, einmal zwei Zentimeter hinter der Stirn/Haargrenze und einmal am Hinterkopf, jeweils mindestens 50 besser 100 Haaren mit einer Klemme gefasst und ruckartig herausgezupft. Was so qualvoll klingt, ist weniger schmerzhaft als erwartet und die Haare wachsen auch vollständig wieder nach.

Nichtsdestotrotz ist ein Phototrichogramm angenehmer und für viele Fragestellungen ausreichend oder sogar besser.

Die Diagnose „anlagebedingter Haarausfall“ ist oft eine Blickdiagnose, die keiner weiteren Diagnostik bedarf. Für die Verlaufskontrolle, um festzustellen, ob der anlagebedingte Haarausfall voranschreitet, z.B. als Therapieerfolgskontrolle, ist jedoch das Phototrichogramm überlegen. Hierbei wird zunächst ein Kopfhautareal von ca. 2 cm² rasiert. Die nachwachsenden Haare im rasierten Areal werden wenige Tage später eingefärbt und ein Videobild mit 20facher Vergrößerung digital gespeichert. Die Software berechnet anschließend automatisch die Haaranzahl. Für die Auswahl der Rasurstellen gelten die gleichen Bedingungen wie für die Entnahmestellen beim Trichogramm. Durch aufeinanderfolgende Aufnahmen, z.B. vor und nach einer Therapie, lassen sich detaillierte Aussagen über Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung machen. Der Vorteil dieser Methode liegt in der einfachen und schnellen Bildaufnahme, dem schmerzfreien Verfahren, der Reproduzierbarkeit und der Archivierbarkeit der Ergebnisse.

Dr. Uwe Schwichtenberg

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