Frage des Monats

November 2013

Frage

Warum bekommen Männer eine Glatze, Frauen aber in der Regel nicht?

Antwort

Der anlagebedingte Haarausfall ist bei beiden Geschlechtern die jeweils häufigste Haarausfallart. Männer sind jedoch erheblich häufiger betroffen. Die Zahlen in Untersuchungen unterscheiden sich zwar deutlich und variieren in Abhängigkeit der ethnischen Herkunft, man geht jedoch davon aus, dass ca. 60-80% der Männer davon betroffen sind. Hierbei wurden alle Ausprägungen von Geheimratsecken bis hin zur Vollglatze einbezogen.

Wie bei Männern nimmt die die Häufigkeit und Ausprägung des anlagebedingten Haarausfalls bei Frauen mit steigendem Alter zu. Sind unter 30 Jahren noch nur 3-6% der Frauen betroffen so steigt diese Zahl mit dem Lebensalter auf immerhin bis zu 42% (Blumeyer et al 20111).

Der anlagebedingte Haarverlust der Frau ist selten so ausgeprägt wie bei Männern. Eine richtige Glatze ist bei Frauen wirklich selten.

Der Entstehungsmechanismus dieser Haarausfallart ist genetisch festgelegt. Bei Betroffenen reagieren insbesondere die Haarwurzeln am Oberkopf sensibel auf männliche Hormone wie Testosteron oder sein Stoffwechselprodukt Dihydrotestosteron(DHT). Beide Hormone sind ebenso auch bei Frauen vorhanden. Trotz normaler Konzentration dieser Hormone im Blut werden die sensiblen Haarwurzeln so geschädigt. Hierdurch wird der Haarwachstumszyklus verkürzt und die Haarwurzeln verkümmern. Testosteron wird durch das Enzym 5-alpha-Reduktase in das wirksamere Hormon DHT umgewandelt oder über die Aromatase abgebaut. Diese Enzyme sind bei beiden Geschlechtern unterschiedlich aktiv und damit erklärt man sich auch die unterschiedliche Ausprägung des anlagebedingten Haarausfalls bei Mann und Frau (Sawaya und Price 19972).

1 Blumeyer et al. J Dtsch Dermatol Ges 2011;9 (suppl 6): S1–57.
2 Sawaya, Marty E., and Vera H. Price. Journal of Investigative Dermatology 109.3 (1997): 296-300.

Dr. Uwe Schwichtenberg

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