Diffuser Haarausfall bei Frauen durch hormonelle Schwankungen

Ist es normal, wenn nach der Geburt eines Kindes plötzlich Haarausfall einsetzt?

Zwei bis drei Monate nach einer Geburt einsetzender Haarausfall, postpartales Effluvium genannt, ist ein häufig beobachtetes Phänomen. Während der Schwangerschaft sind die Östrogenspiegel (weibliche Geschlechtshormone) im Blut sehr hoch. Deshalb beobachten die meisten Frauen zunächst schönes, dichtes und glänzendes Haar sowie glatte Haut. Mit der Geburt sinken die Östrogenspiegel jedoch stark ab, was den plötzlichen Übertritt von Haaren im Wachstumsstadium in das Ruhe- und Ausfallsstadium zur Folge hat. Diese Haare fallen dann typischerweise 2-3 Monate später aus. Eine Normalisierung dieses Haarausfalls und ein Nachwachsen der verlorenen Haare ist bei den meisten Frauen, auch ohne Therapie, nach mehreren Wochen bis Monaten zu bemerken.

Bei längerer Fortdauer des Haarverlusts oder erneut auftretendem Haarausfall sollte im Rahmen einer Vorstellung beim Hautarzt geklärt werden, ob eine von der Schwangerschaft unabhängige Form des Haarausfalls wie z.B. Alopeica androgenetica oder eine Alopecia areata vorliegt.

Dr. C. Kunte

Kann man beim Haarausfall nach der Geburt irgendetwas unternehmen, oder muss man einfach warten bis es vorbei ist?

Der Haarverlust nach der Geburt, postpartales Effluvium genannt, reguliert sich im Allgemeinen wieder von selbst, eine Therapie ist nicht erfoderlich. Eine unterstützende Anwendung von Pantovigar®, einer Kombination schwefelhaltiger Aminosäuren wie L-Cystin und Vitaminen der B-Gruppe, kann jedoch auch in diesem Fall sinnvoll sein. Da sich der Haarerneuerungszyklus nur langsam vollzieht, sollte eine Einnahme mindestens drei Monate, besser noch sechs Monate lang, erfolgen.

Dr. Jens Meyer

Ist es normal, wenn nach dem Absetzen der Pille plötzlich Haarausfall einsetzt?

Nach Absetzen von oralen Kontrazeptiva ("Pille") können die Östrogenspiegel (weibliche Geschlechtshormone) im Körper stark absinken, was den plötzlichen Übertritt von Haaren im Wachstumsstadium in das Ruhe- und Ausfallsstadium zur Folge hat. Diese Haare fallen dann typischerweise mehrere Wochen später aus. Nach einiger Zeit kommt es im Allgemeinen jedoch auch ohne Therapie zu einer Normalisierung des Haarausfalls und einem Nachwachsen der verlorenen Haare.

Bei über mehrere Monate anhaltendem oder sehr starkem Haarausfall sollte zur Sicherheit ein Hautarzt aufgesucht werden, um die Diagnose zu überprüfen und gegebenenfalls eine Therapie einzuleiten.

Dr. C. Kunte

Ist ein verstärkter Haarverlust in den Wechseljahren behandlungsbedürftig?

Nicht wenige Frauen haben einen dauerhaft erhöhten Haarwechsel. Dieses Phänomen wird als chronisch telogenes Effluvium (CTE) bezeichnet. Erhärtet wird der Verdacht auf CTE durch über Monate oder Jahre hinweg erhöhte Telogenhaarraten (30-40%) in der Haarwurzelanalyse (Trichogramm). Normal wären maximal 20% Telogenhaare, das heißt Haare, die in den nächsten 2-4 Monaten ausfallen bzw. ausgewechselt werden.

Der verstärkte Haarwechsel findet vor allem bei Frauen in oder nach der Menopause (Wechseljahre) statt. Ganz wichtig ist bei diesem Haarwechsel, dass er in der Regel nicht zu einer dauerhaften Haarlichtung im Sinne einer androgenetischen Alopezie führt.

Daher ist dieser erhöhte Haarwechsel - so lange er nicht zu einer sichtbaren Haarverminderung führt - auch nicht behandlungsbedürftig. Kann man jedoch durch sorgfältige medizinische Fotodokumentation tatsächlich eine sichtbare Haarausdünnung feststellen, könnten all die Therapeutika wirksam sein, die auch beim anlagebedingten Haarausfall gut helfen.

Ich bin im 2. Monat schwanger und leide seit kurzem unter verstärktem Haarausfall. Verbessert sich der Haarausfall während der Schwangerschaft?

Mit fortschreitender Schwangerschaft wird der Haarausfall immer weiter zurückgehen. Wenn nicht, handelt es sich sicherlich nur um einen harmlosen Haarwechsel. Das heißt, für jedes ausgefallene Haar wächst ein gleich starkes wieder nach.

Nach der Geburt werden relativ viele Haare vom Wachstum (Anagen) in die Ruhephase (Telogen) übergehen. Dies werden Sie nach 2 - 4 Monaten durch verstärkten Haarausfall merken. Auch dies ist nur ein Haarwechsel (Telogenes Effluvium), der in der Regel nicht zu einer dauerhaften Verminderung der Kopfhaardichte (androgenetische Alopezie) führt.

Prof. Dr. H. Wolff

Ich habe seit 6 1/2 Monaten Haarausfall. Kurz vor der Einnahmepause der Pille ist der Haarausfall sehr gering bis fast weg und ca 2-5 Tage nach der Pause nimmt er wiederstark zu.

Der erbliche, androgenetische (anlagebedingte) Haarverlust verläuft typischerweise schubweise. Warum dies so ist, ist nicht bekannt. Ein möglicher Zusammenhang ist mit dem zyklischen Verlauf des Haarzyklus zu sehen. Ob der androgenetische Haarverlust wirklich, wie von Ihnen beschreiben, über Jahre aufhört, um dann wieder einzusetzen, ist fraglich. Möglicherweise hat in diesen Jahren der Haarverlust weiter bestanden, nur in sehr viel geringerem Ausmaß. Dies ist im übrigen ein Phänomen, dass vor allem Männer an sich beobachten. Sie bemerken lediglich, dass sich das Haupthaar lichtet, können aber einen verstärkten Haarausfall nicht ausmachen. Der androgenetische Haarverlust kann so langsam schleichend verlaufen, dass man ihn nicht recht wahrnimmt.

Haarverlust in Schüben

Haarverlust in halbjährlichen Schüben kann unabhängig vom androgenetischen Haarverlust die sogenannte "Mauser" sein, die auch beim Menschen auftritt. Meist im Herbst und Frühjahr fallen verstärkt Haare aus, ohne dass sich hierdurch eine Lichtung ausbildet. Dieses Phänomen wird nicht von allen Menschen wahrgenommen.

Zusammenhang Haarzyklus und Hormonumstellung noch nicht geklärt

In der dermatologischen Praxis sieht man immer wieder Frauen, die über einen zyklusabhängigen Haarverlust klagen. Der Haarzyklus ist insgesamt ein langsam reagierendes System mit einem 3-6 Jahre langen Wachstumsstadium (Anagen), einem anschließenden wenige Wochen dauernden Übergangsstadium (Katagen) und anschließend einem 2-4 Monate dauernden Ruhestadium (Telogen). Einflüsse wie Hormonumstellungen führen in der Regel zu einem gleichzeitigen Übertritt vieler Haare aus dem Anagen ins Katagen und dann ins Telogen. Am Ende des Telogen, also nach 2-4 Monaten, fallen die Haare dann aus.

Der Menstruationszyklus mit seinen 28 tägigem Rhythmus passt nicht zu dem trägen Haarzyklus. Ein direkter Zusammenhang ist also kaum herzustellen, insbesondere berichten nur wenige Frauen über einen zyklusabhängig verstärkten Haarverlust. Bekannt ist jedoch, dass am Ende des Telogen möglicherweise eine 4. Phase des Haarzyklus stattfindet, das Exogen, eine nur wenige Tage dauernde Phase in dem das Haar aktiv ausfällt. Möglicherweise sind die Haare einiger Frauen am Ende des Telogen, also im Exogen, zyklusabhängig empfindlicher, so dass relativ verstärkt Haare ausfallen. Die alles ist jedoch höchst hypothetisch, eine wissenschaftlich bewiesene Erklärung ist derzeit nicht möglich.

Dr. C. Kunte